„Bergbau zum Anfassen“

Gegenüber, Friedrich-Heinrich-Allee 110, 47475 Kamp-Lintfort, Deutschland



Geruch von Erdboden in der Nase, Kohle an den Händen und im Gesicht, lautes Hämmern von Spitzhacken in den Ohren, Schweißperlen von drückender Wärme auf der Haut, schimmerndes Licht einiger Helmleuchten blitzt in der Dunkelheit: Die Atmosphäre beim Bergbau unter Tage hat ihren ganz eigenen Charme. Um diesen kennenzulernen, bietet Klaus Deuter mit weiteren Ehrenamtlichen „Bergbau zum Anfassen“ an – und zwar mittels Führungen durch seinen Lieblingsplatz am Niederrhein, den Lehrstollen in Kamp-Lintfort.

Der Lehrstollen wurde Anfang der 1970er-Jahre von Lehrlingen der Zeche Friedrich-Heinrich erbaut. „Auf einer Grundfläche von etwa 50 mal 50 Metern wurde eine Streckenlänge von nahezu 230 Metern geschaffen, deren tiefste Stelle drei Meter unter Geländeniveau liegt“, schildert Klaus Deuter. Der 54-Jährige war seinerzeit im Untertage-Betrieb der Zeche im Bergwerk West als Technischer Angestellter tätig. In dem Lehrstollen wurde der Untertage-Betrieb abgebildet, um Lehrlinge möglichst praxisgerecht ausbilden zu können. Nachdem sich etwa 2008 das Ausbildungsmodell der RAG vollständig geändert hatte, entfiel die Ausbildung im Lehrstollen.

Erhalt der Bergbautradition

Nach Stilllegung der Zeche fiel die Entscheidung, den Lehrstollen weiter aufleben zu lassen und unter anderem für Führungen zu nutzen. „Damit bleibt die Bergbautradition erhalten, und der Beruf des Bergmanns gerät nicht in Vergessenheit“, freut sich Klaus Deuter über die Idee des Bergwerks West. Zur Koordination aller weiteren Schritte wurden die Steigergemeinschaft West e.V. und die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition Linker Niederrhein e.V. eingebunden. Hier wurde der Kamp-Lintforter Klaus Deuter als Verbindungsperson ausgewählt: „Zu der Zeit war ich noch aktiv auf dem Bergwerk West tätig und pflegte gute Kontakte zum Werkschef Karl-Heinz Stenmans, der das Projekt im Rahmen seiner Möglichkeiten voll unterstützte“, erklärt der waschechte Bergmann den Zusammenhang.

Anfang 2013 fiel der Startschuss: Mittlerweile arbeitet dort eine Gruppe von mehr als zehn ehrenamtlichen Helfern, die den Lehrstollen pflegen und Besucher durch das Objekt führen. „Ein Highlight war die Extraschicht im Juli 2013, bei der mehr als 800 Gäste den Lehrstollen besichtigten.“

Besucher kommen aus der ganzen Welt, um den Bergbau hautnah zu erleben. Auch Studenten aus Afrika waren bereits in seiner Gruppe. „Wir fassen die Kohle an und krabbeln über den Boden durch den einen oder anderen Streb“, beschreibt Klaus Deuter. Ein Streb ist ein schmaler langer Abbauraum. Gemeinsam schaut sich die Gruppe den im Lehrstollen abgebildeten Untertage-Betrieb des Bergwerks an – etwa mittels Bergbau-Exponaten. „Zu Transportzwecken sind die Strecken mit einer Einschienen-Hängebahn ausgestattet. In einer Strecke wird ein Streb dargestellt, der mit Hobel, Förderer und Schildausbau ausgerüstet ist“, erklärt der Experte. Hier sind sowohl ein konventioneller Streckenförderer als auch die Abförderung der Kohle zu sehen. Das Bauwerk gilt als das einzige seiner Art am linken Niederrhein.

Es wird nie langweilig

Das Interesse ist groß: Knapp 2.800 Besucher kamen im vergangenen Jahr in den Lehrstollen. Dabei machen sowohl Kindergarten-, Schul- oder Erwachsenengruppen ihre Tour unter der Erdoberfläche, stets mit Grubenlampe ausgestattet. „Selbst ich komme jeden Tag immer wieder an Stellen, an denen ich vorher noch nicht war“, schwärmt Klaus Deuter von seinem Lieblingsplatz. „Es wird nie langweilig, es gibt immer Neues zu entdecken. Hier unten fühle ich mich abgeschottet von Alltagsproblemen und werde an die Vergangenheit erinnert – an meinen schönen und interessanten Beruf“, ergänzt der Herzblut-Bergmann zu seinem Hobby, das ihm viel Freude bereitet. Er ist stolz auf sein Team, das den Lehrstollen erhalten hat: „Wir haben etwas geschaffen, das wir an folgende Generationen weitergeben. Diese können hier immer wieder neue Projekte aufbauen.“

Wer den Lehrstollen besuchen möchte, der kann sich bei Klaus Deuter anmelden. Er koordiniert die Termine und Gruppen (ab acht Personen) – dabei zahlen Erwachsene 2,50 Euro pro Person, Kinder einen Euro, Kindergartengruppen sowie Schulklassen haben freien Eintritt. So hat jeder die Möglichkeit, den „Bergbau zum Anfassen“ selbst einmal hautnah zu erleben. Glück auf!

Kategorien

  • Aktiv

Autor

redaktion

Teilen

Aktionen


Um diesen Ort zu merken, melden Sie sich bitte an.
Anmelden

Kommentare sind geschlossen.