Der Bungtbach: Ein kleiner Sprung ins große Glück

Volksgarten, 41065 Mönchengladbach, Deutschland



Es wackelt ein wenig, der Boden ist rutschig, etwas mehr Balance, stehen bleiben, nur noch ein Sprung…und: geschafft! Wieder einmal hat Gabi Stratner die Herausforderung gemeistert und den Bungtbach kurz hinter dem Mönchengladbacher „Volksgarten“ mittels der Wackersteine trockenen Fußes überquert. Für sie ist es ein kleiner Sprung ins große Glück. „Das ist zwar etwas kindisch, aber es macht sehr viel Spaß“, lacht Gabi Stratner. Die 52-Jährige ist Stadtführerin in Mönchengladbach und hat in ihrer Heimatstadt an dem renaturierten Bungtbach ihren Lieblingsplatz am Niederrhein gefunden. Jeden Sonntag trifft sie sich mit ihren Freundinnen aus dem Chor, um an dem Bach entlang zu walken.

„Die Natur zeigt sich auf unserer Strecke von ihren unterschiedlichsten und schönsten Facetten. Das Licht ändert je nach Tages- und Jahreszeit die Farben der Blätter, Bäume und Wiesen. Einfach faszinierend. Wenn ich hier bin, kann ich durchatmen, frei sein, die klare Luft genießen und abschalten“, schwärmt Gabi Stratner. Der Bach fließt träge und gemütlich, er lädt zum Entschleunigen ein.

Mit allen Sinnen

„Die Augen freuen sich über verschieden farbige Blumen in den Auen, mal kräftig gelb, mal zart lila. In den Winter- und Herbstmonaten ist es dort zwar nicht so fröhlich bunt, aber die Doldenblütler und weitere Sumpfpflanzen um den Bach sorgen auch in diesen Jahreszeiten für ein schönes Bild. Besonders, wenn an eisigen Wintermorgen der Frühnebel in den Feldern steht und der Tau auf den Blättern blitzt.“ Während ihrer Touren spürt die Stadtführerin mal die Sonne auf der Haut, mal den feuchten Nebel. Mal Blumenduft, mal modriger Geruch steigt ihr in die Nase. Jeder Tag bringt eine Abwechslung.

Besonders im Frühling und Sommer freut sie sich über das Vogelgezwitscher: „Der Eisvogel lebt an unserem renaturierten Bungtbach, was ein Zeichen dafür ist, dass das Wasser sehr sauber ist. Ich selbst habe ihn leider noch nicht gesehen“, bedauert Gabi Stratner.

Zurück zum Ursprung

Nach der 2016 abgeschlossenen Renaturierung wurde der natürliche Bachverlauf zurückgewonnen. Nun schlängelt sich der Bungtbach durch eine Auenlandschaft mit Schwarzerlen, Eschen, Eichen, Sträuchern, Binsen, Schilf und Rohrkolben. Natur pur! Zusammen mit ihren Lauffreundinnen folgt Gabi Stratner dem Lauf des Baches vom Stadtteil Hardterbroich, „An den 12 Morgen“, auf einem schmalen Spazierweg und überquert ihn alsbald über die Wackersteine. Dann geht es über ein großes Feld nach Schloss Rheydt.

„Der Bungtbach und seine Umgebung bieten für jeden Geschmack etwas. Sei es der kürzere Weg für einen Spaziergang von etwa zwei Kilometern am Bach entlang oder die längere Strecke durch die Auenlandschaft, in der man den Bach überqueren und in Richtung Schloss Rheydt laufen kann“, schwärmt die Mönchengladbacherin von dem Naherholungsgebiet um das Schloss. „Es erstreckt sich über eine weite Fläche und ist in meinen Augen wunderschön.“ Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, der sollte mit seinem Besuch des Bungtbachs nicht lange warten.

Ein Blick in die Geschichte

Im Schloss Rheydt gibt es ein Museum. „Das Schloss ist die einzige am Niederrhein komplett erhaltene Schlossanalage aus der Renaissance“, weiß Gabi Stratner. Also ist der Weg auch ein Ziel für Geschichts- und Kulturbegeisterte. Oder einfach, um einen Kaffee zu genießen. An Geschichte und der Entwicklung ihrer Heimatstadt war Gabi Stratner immer schon interessiert, was ihren Weg hin zur Stadtführerin erklärt. „Unsere Aufgabe ist es, den Leuten Dinge zu zeigen, die sie selbst so noch nicht gesehen haben. Wir möchten ihnen eine neue Perspektive auf vermeintlich altbekannte Orte eröffnen. Es gibt stets viel zu entdecken, auch für mich. Wir können stolz auf unsere Stadt sein!“, ist sich Gabi Stratner sicher.

Sie freut sich über das Projekt „Local Emotion am Niederrhein“, weil sie den schönen Niederrhein touristisch noch weiter nach vorne bringen möchte. Eine waschechte Niederrheinerin, die ihre Heimat liebt. Pappeln, Weiden, Kühe, ein weiter Blick und eine Vielzahl schöner Herrenhäuser und Schlösser zeichnen für sie den Niederrhein aus. Auf ihrer Agenda steht noch, einmal die komplette Niers heraufzuradeln, um noch mehr von der Umgebung zu entdecken.

Auf der Suche nach dem Lieblingsplatz

Gabi Stratner bietet zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Stadtführerteam unterschiedliche Touren durch ganz Mönchengladbach an (https://www.moenchengladbach.de/de/aktuell-aktiv/freizeit-in-der-stadt/stadt-touren/). Es gibt z. B. Spaziergänge durch die Gladbacher Altstadt oder durch Rheydt. Bis 1975 war Rheydt eine eigenständige Stadt und wurde dann eingemeindet. Bustouren zu beiden Stadtzentren, zum Stadion, zu Museen und Kirchen oder eine Schlössertour werden zudem angeboten. „Ich bin jedes Mal sehr erfreut über die Menge an interessierten Besuchern oder Bürgern, die mehr über ihre Stadt erfahren möchten.“ So kann ein jeder seinen eigenen Lieblingsplatz entdecken. Für Gabi Stratner ist das ganz klar der Bungtbach, über den sie noch viele kleine Sprünge ins große Glück machen möchte.

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