Grotenburg Stadion

Tiergartenstraße 165, 47800 Krefeld, Deutschland



Poesie und Stadionwurst!

Man nehme eine Stadionwurst, einen Becher Bier, lauten Fangesang und vermenge dies wahlweise mit Gefühlen wie Freude, Wut oder Trauer: Schon erhält man die perfekte Mischung für einen Fußballtag im Grotenburg-Stadion beim KFC Uerdingen 05. Jedenfalls aus der Perspektive von Johannes Floehr: „Die Südtribüne im Stimmungsblock K ist seit 16 Jahren für mich der schönste Platz am ganzen Niederrhein“, schildert der 26-jährige Dauerkartenbesitzer. Durch dick und dünn hat er seinen Verein begleitet, der den Sprung in die 4.Liga geschafft hat. Für Johannes Floehr ist es ein klassisches altes Stadion, in dem es förmlich noch nach Tradition riecht. Immerhin haben Stars wie Franz Beckenbauer hier schon gespielt. „Dieses Stadion erzählt seine eigene Geschichte. Das Schöne ist, dass man hier alle Gefühle erlebt: von großem Jubel über Enttäuschung und Demut bis hin zur Langeweile. Man weiß vorher nie, was einen erwartet.“

Ganz besonders beeindruckt war Johannes Floehr von einem wunderschönen und bildhaften Sonnenuntergang, den er vom höchsten Punkt der Tribüne aus gesehen hat. Inmitten der Geräuschkulisse und des Stadiontrubels hat er innegehalten und einfach nur diesen Moment in völliger Ruhe genossen. „So eine Kontroverse funktioniert nur an einem Ort, mit dem man verwurzelt ist. Die Stadionbesuche sind zu einer wichtigen Konstante in meinem Leben und in meiner Freizeit geworden.“

Beruflich ist er als Autor, Moderator und Poetry Slammer deutschlandweit unterwegs. Ein Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Der Stadionbesuch dient häufig als eine gute Inspirationsquelle zum Schreiben für Johannes Floehr: „Das Thema Sport spielt bei den Inhalten immer wieder eine wichtige Rolle.“ Poesie zwischen grölenden Fans und Stadionwurst: Wer schon einmal den Worten von Johannes Floehr gelauscht hat, der weiß, dass sich seine Vorlieben für Fußball und Dichterkunst sehr gut kombinieren lassen.

Ausflug in eine andere Welt

„Ich melde mich heute wegen des Weltgeschehens zu Wort“, schallte es bei seiner „Rede zur Lage der Situation“ beim NRW Slam 2016 durch den Raum. „Wir müssen Vorbild sein, vorangehen, anstatt immer nur in die Kneipe mit anderen Tünnessen!“, lautete sein Appell oben von der Bühne. Mit gehörigem Wortwitz, Humor und jeder Menge Dichterkunst amüsiert er das Publikum und entführt es in eine andere Welt. Und genau das geschieht mit ihm, wenn er sich seine Mannschaft im Stadion anschaut. Der Zusammenhalt unter den Fans habe ihn sehr geprägt, die regelmäßigen Besuche im Stadion haben einen festen Platz in seinem Leben gefunden.

Mit seinen Auftritten möchte er ein Stück weit dieses Gefühl von Geborgenheit und Zuhause, von Gemeinschaft und Teamgeist, das ihm dieser altehrwürdige Ort gibt, mit thematischem Bezug zum Stadionaufenthalt an die Besucher vermitteln. Auch sie sollen diesen Zusammenhalt spüren und sich einfach wohl fühlen. Doch am besten gelingt dieses Stadiongefühl durch die eigene Erfahrung vor Ort: „Wer einmal Traditionsluft schnuppern und Fußball sehen will, wo um das Spiel herum noch alles echt und zum Anfassen ist, der ist hier genau richtig!“, schwärmt der Krefelder.

Herzlich willkommen

Neue Gruppenmitglieder seien eingeladen, sich von dem Teamspirit anstecken zu lassen. So wie sich auch Johannes Floehr anstecken lässt. Ideen für seine Texte holt er sich nicht nur an seinem Lieblingsplatz im Stadion, sondern „überall und nirgends“: auf der Straße, beim Einkaufen, in den Nachrichten oder durch Gespräche mit Freunden, dem Bäcker oder dem Taxifahrer. Gerne ironisiert er mit einer ordentlichen Portion Wortakrobatik unterschiedliche Alltagssituationen. Auch, wenn er beruflich viele verschiedene Regionen über die niederrheinischen Grenzen hinaus sieht und kennenlernt, so hält der Krefelder seiner Heimat die Treue: Die Gelassenheit der Niederrheiner, ihre „lockere Zunge“ und Aufgeschlossenheit gefallen ihm gut. „Fremde werden schnell integriert und sind herzlich willkommen.“ Kein Wunder in einer Region, in der selbst Poesie und Stadionwurst harmonieren.

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