„Steig auf, fahr mit!“ – Naturexpedition mit dem Rad

Am Breyeller See, 41334 Nettetal, Deutschland

Niederrhein Tourismus



Luft holen, tief durchatmen, die Ruhe spüren – ein wenig versteckt sitzt Karl Engbrocks auf einer alten Bank am Ufer des Kleinen Breyeller Sees und genießt den Blick auf das ruhige Gewässer. Sein Fahrrad hat der passionierte Radfahrer für diesen Moment zur Seite gestellt. „Sich hier aufzuhalten, abseits von stark frequentierten Gebieten, ist genießens- und sehenswert. Hier verbringe ich gerne meine Zeit, um Gedanken schweifen zu lassen und einfach nur abzuschalten: mein absoluter Lieblingsplatz am Niederrhein“, sagt Karl Engbrocks.

Bekannt als Radwander-Urgestein in seiner Heimat Nettetal-Lobberich leitet er seit nunmehr 40 Jahren geführte Radtouren durch den Naturpark Schwalm-Nette rund um die Nettetaler Seenplatte. Diese Touren sind sein Steckenpferd.

Mit allen Sinnen

Doch manchmal braucht er Zeit für sich: Auf seiner kleinen Bank sitzt er aber am liebsten ganz allein. Der Alltag ist dann für einen Moment weit weg. Zu hören? Das Gezwitscher von Vögeln. Zu riechen? Duftende Sumpf- und Moorlandschaften. Zu spüren? Ein paar Sonnenstrahlen und Ruhe. In diesen Momenten ist er im Einklang mit der Natur.

Und genau diese Vorzüge und Eindrücke der Umgebung vermittelt er den Teilnehmern seiner Radwandertouren: „Steig auf, fahr mit! Radeln mit dem Verein Niederrhein Lobberich“ – unter diesem Motto gibt der Vorsitzende der Ortsgruppe Lobberich den Startschuss für die Route um die Nette-Seen, zu denen neben dem Kleinen und Großen Breyeller See zehn weitere zählen. Sie gehören zum Naturpark Schwalm-Nette und befinden sich in Nettetal, Kreis Viersen. Ihren Namen haben sie von dem Flüsschen Nette, in dessen Talniederung sich diese künstlich angestauten Seen befinden. Insgesamt sind die Seen durch Torfabbau der vorhandenen Sümpfe in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden. Die abgetorften Sümpfe wurden mit Grundwasser gefüllt.

Wie die eigene Westentasche

Karl Engbrocks kennt beinahe jedes Fleckchen des Naturparks: „An der Nettetaler Seenplatte halte ich regelmäßig mit meinen Gruppen an. Ein unvergleichlicher Ort mit abwechslungsreicher Landschaft: weite Seen, bunte Wiesen, liebevoll angelegte Gärten mit Blumen, Gräsern und Wildkräutern, Felder, naturbelassene Mischwälder, Weiden sowie Sumpf- und Moorlandschaften“, listet der 79-Jährige auf. Bei seinen Touren begegnet Karl Engbrocks Familien beim Picknick, Kindern, die durch die Burgruinen klettern, Wanderern, Spaziergängern, Wasserbegeisterten, die auf den Gewässern Boot oder Kanu fahren, oder eben Radfahrern.

Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Viele beeindruckende Orte mit dem Potenzial zum Lieblingsplatz. Für Karl Engbrocks ist es diese alte und verlassene Bank, die ihm besonders am Herzen liegt. Ein kleiner Fleck mit so großer Wirkung: „Hier kann ich ich selbst sein, Kraft schöpfen und bewusst die Natur genießen.“

Die volle Dosis Natur 

Meist jedoch ist er nicht allein im Naturpark, sondern in seiner geliebten Funktion als Gruppenleiter. Jeder Teilnehmer erhält bei der geführten Rundreise „etwa drei Stunden die volle Dosis Natur“: rechts roter Klatschmohn, links blaue Kornblumen, Alleen mit hohen Pappeln und typisch niederrheinischen Kopfweiden, begleitet von melodischem Vogelgezwitscher, muhenden Kühen und mähenden Schafen. Damit trifft er nicht nur den Nerv der Einheimischen, sondern auch vieler angereister Großstädter. Die Wege sind flach und somit auch für ungeübte Radler leicht zu bewältigen.

Es gibt auf jeder Tour viel zu entdecken, und das zu jeder Jahreszeit. Im Herbst leuchtet das bunte Laub, und zwischen den Astern glitzern Spinnennetze im Tau. Mit lila Farbe übersäte Heidelichtungen, duftende Maisfelder. Im Frühjahr und Sommer schwirren Libellen, ein Schwarm Hummeln summt, abends hört man die Eulen und sieht flinke Fledermäuse.

Stege führen zu extra ausgeschilderten Wasserblicken und Brücken über die Seen, Seerosen schmücken das Wasser, Fischreiher waten auf der Suche nach Nahrung durchs Wasser, um sie herum schwimmt eine Entenfamilie neben einigen Haubentauchern und eleganten Schwänen. Ein buntes Zusammenspiel neu erschaffener Biotope zeigt sich auf mehr als 400 Quadratkilometern Fläche des Naturparks entlang der deutsch-niederländischen Grenze, in dem sich auch viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten angesiedelt haben. Wer sich für Flora und Fauna interessiert, der kommt im „Fahrrad-Revier“ von Karl Engbrocks voll auf seine Kosten.

Radler-Routine

Jeden Donnerstag um 14 Uhr starten seine Touren in Lobberich, zu jeder Jahreszeit bei Wind und Wetter. „Die Region rund um Nettetal ist einfach ein Radlerparadies inmitten herrlicher Natur“, schwärmt der Rentner, der vor seinem Ruhestand als kaufmännischer Angestellter in der Wohnungswirtschaft tätig war. Die etwa 30 Kilometer langen Fahrradstrecken, die der Niederrheiner hier anbietet, sind jedes Mal neu und immer wieder anders; einige führen an fast allen zwölf Seen vorbei. Zwischen 20 bis 40 Teilnehmer radeln mit und folgen dem Heimatverbundenen, für den es keine Alternative gibt: „Am Niederrhein ist es doch einfach am schönsten.“

Karl Engbrocks möchte mit den geführten Touren seine Heimatliebe ein Stück weit vermitteln und teilen. „Nicht nur der Naturpark Schwalm-Nette – nein, der gesamte Niederrhein – bietet eine Naturlandschaft, die man gesehen haben muss. Für mich ganz klar einer der schönsten Bereiche im gesamten Bundesgebiet.“

Kategorien

  • Aktiv

Autor

redaktion

Aktionen

Niederrhein Tourismus

Um diesen Ort zu merken, melden Sie sich bitte an.
Anmelden

Kommentare sind geschlossen.