Waldwinkelkuhle im Krefelder Norden

Krefeld, Deutschland



Schlaraffenland für das Rockerherz!

Rockig raunt ein rauer Rhythmus durch eine vielfältige Obstplantage in Krefeld: Hier ist ganz eindeutig Rüdiger Ziesemann in seinem Element, das heißt in seinen zwei Elementen. Der Niederrheiner hat Melodie im Blut und zugleich einen grünen Daumen – er liebt sowohl die Musik als auch den Gartenbau. Kein Wunder also, dass zum einen seine Werkstatt zum Lieblingsplatz des 60-Jährigen geworden ist, zum anderen sein groß angelegter Obstgarten, in dem sich der Vollblutmusiker die nötige Inspiration und Kraft für den Alltag holt.

Rüdiger Ziesemann ist Inhaber von „BassLine“, einem Unternehmen in Krefeld, das seit mehr als 25 Jahren für seine Kunden handgefertigte Instrumente baut. „Die Musiker kommen mit ihren Wünschen und Vorstellungen zu uns, die wir mit großer Leidenschaft für Holz, Form und Farbe in einem persönlichen Bass umsetzen.“ Individuell geformte Werke schmücken die Wand der Werkstatt im Gewerbegebiet in Krefeld-Hüls. Duftendes Holz und Gitarrenklänge laden Besucher zum Verweilen ein: „Für diesen breiten Hals haben wir ein Patent angemeldet“, schildert der Niederrheiner und zeigt ein besonderes Exemplar. „Mehr Ton, mehr Sustain, mehr Masse: es klingt einfach phantastisch!“ Wer Fragen rund um die Themen Bass, Holz, Klang oder Rockmusik hat, ist bei Rüdiger Ziesemann genau an der richtigen Adresse.

Musik im Blut

Der gelernte Tischlermeister spielt selbst in drei Bands den Bass. „Für mich war es schon immer faszinierend, mit Holz zu arbeiten. Zudem war ich stets an Instrumenten interessiert, sodass ich mir in der Lehrzeit meinen ersten eigenen Bass gebaut habe. Da war das erlernte Tischlerhandwerk eine gute Hilfestellung.“ Ein Sprungbrett, um das Hobby in gewisser Weise zum Beruf zu machen. Und an dieser Vorliebe lässt er jeden Besucher teilhaben: „Interessierte können uns in unserer Werkstatt in Krefeld besuchen kommen und unsere Bässe im Laden anspielen. Der Bassbau ist ein schwieriger Markt, weil es zu viele Massenprodukte gibt. Deswegen möchten wir die Kunden zu uns in die Werkstatt holen, um hier ihr persönliches Instrument mit viel Liebe zu bauen. Zudem bieten wir Bassbau-Workshops an, bei denen der Kunde mit einer eigenen Idee und unserer Hilfe seinen persönlichen Bass baut. Innerhalb von einer Woche kann der Bass dann auf jeder Bühne eingeweiht werden“, lacht der gebürtige Kempener.

So wird ein Besuch bei Rüdiger Ziesemann zum Erlebnis für jeden Besucher.  Die Resonanz spricht für sich: „Bisher haben 48 Kunden aus unserer Region ihren eigenen Bass gebaut. Einige ‚Wiederholungstäter‘ haben sogar schon ihr zweites Instrument kreiert.“ Wer Rüdiger Ziesemann einmal in seiner Werkstatt besucht hat, der lässt sich schnell von dieser Leidenschaft inspirieren: Ein Schlaraffenland für das Rockerherz eben.

Walk the BassLine

Wie ein roter Faden zieht sich die Liebe zur Musik durch Rüdiger Ziesemanns Leben. 1982 eröffnete er seinen eigenen kleinen Musikladen in Bauernhof in Krefeld-Hüls: „Mit Spaß und einfachen Mitteln habe ich fleißig Bässe gebaut, damals noch als Einzelkämpfer.“ Nach einem Umzug mit einem Mitarbeiter und der Ausweitung von zehn auf 60 Quadratmeter Fläche folgte letztlich, zehn Jahre später, der Schritt zur heutigen BassLine. 2018 kann er dann auf 25 Jahre ereignisreiche Jahre zurückblicken.

Auf seinem Weg ist er stets seiner Heimat Krefeld treu geblieben. Und genau diese Gegend bietet ihm eine Inspirationsquelle für seinen Beruf und einen Ausgleich zum Alltag, wenn er sich einmal zurückziehen möchte. „Nach der Arbeit lasse ich den Bassbau auch gerne mal Bassbau sein und brauche einfach Ruhe, um neue Ideen und Kraft zu schöpfen“, so der Geschäftsinhaber.  Diesen Ausgleich findet er in seinem eigenen Garten: Der Naturliebhaber besitzt ein großes Grundstück mit 80 verschiedenen Obstsorten. Von Äpfeln über Pfirsiche, Nektarinen, Feigen bis hin zu Aprikosen findet sich dort alles. „Ich wollte herausfinden, was am Niederrhein alles wachsen kann. Es ist ein belebendes Gefühl, in der Natur zu sein und für den Eigenverbrauch ernten zu können“, schwärmt der verheiratete Familienvater, der sich dadurch auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentriert. „Ich nehme gerne an Vogelwanderungen vom Naturschutzbund teil. Hierbei habe ich in der Waldwinkelkuhle im Krefelder Norden einen weiteren Lieblingsplatz am Niederrhein für mich entdeckt.“

Kleine Kuhle mit großer Bedeutung

Somit hat er ein weiteres Schlaraffenland für sich gefunden, in dem er sich Inspiration holt. Die Kuhle ist mit rund elf Hektar das kleinste und älteste Naturschutzgebiet in Krefeld. Dieser Ort sei ideal, um Ruhe zu genießen, Tiere zu beobachten und Nähe zu elementaren Dingen zu spüren. „Hier kann ich das Leben spüren“, fasst Rüdiger Ziesemann zusammen. „Ich kann nur jedem, der die Natur und Ruhe liebt, die Teilnahme an einer Wanderung empfehlen, bei der man viele Informationen von Gleichdenkenden erhält.“ Genau das schätzt er am Niederrhein. Typisch niederrheinisch sind für Rüdiger Ziesemann nicht nur die Wälder, sondern auch die alten Wasserarme und Niepkuhlen sowie der Hülser Berg, der vor etwa 150.000 Jahren während der Eiszeit entstand. „Die begehbare Natur, deren Geschichte man hier erleben kann, fasziniert mich.“

Doch selbst bei seinen Ausflügen in die Natur kann er seine Vorliebe für den Bassbau nicht verleugnen: Mit großem Interesse an unterschiedlichen Holzarten, mit denen er beim Bassbau arbeitet, wird der Krefelder Baumbestand unter die Lupe genommen. Aufgrund einer zu langen Bearbeitungszeit bezieht Rüdiger Ziesemann sein Holz nicht aus Krefelder Wäldern, sondern aus dem Handel. Zurück in seiner Werkstatt sind es der Klang seiner Bässe und deren Geruch nach Holz, die ihm das Gefühl von Heimat schenken.

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